Votum Separatum gemäß § 15 der Geschäftsordnung des Senats der Karl-Franzens-Universität Graz, eingelegt in der Sitzung der Curriculakommission Umweltsystemwissenschaften am 17. März 2011 betreffend den Beschluss über den neuen Bachelorstudienplan in Umweltsystemwissenschaften mit den Fachschwerpunkten Betriebswirtschaftslehre, Volkswirtschaftslehre, Geographie, Physik und Chemie inklusiver der neuen Studieneingangs- und Orientierungsphase(STEOP)
Die Kurie der Studierenden der Curriculakommission Umweltsystemwissenschaften möchte zu Beginn festhalten, dass sich das Votum Separatum explizit gegen die Einführung der STEOP im Bachelorstudienplan richtet, nicht gegen den gesamten Studienplan. Die Studierenden begrüßen die Einrichtung der neuen Studienpläne und haben diese Haltung auch durch ihre aktive Mitgestaltung an den Studienplänen aller Fachschwerpunkte ausgedrückt.
Die Kritik an obigem Beschluss richtet sich vor allem gegen die übereilte Umsetzung der neuen Studieneingangs- und Orientierungsphase sowohl im Senat als auch in der Curriculakommission Umweltsystemwissenschaften.
Es ist nicht einzusehen, dass der Senat in einer übereilten Reaktion auf völlig realitätsferne Vorgaben in einer neuen gesetzlichen Regelung die Curriculakommissionen zur Einführung einer neuen Studieneingangs- und Orientierungsphase zwingt. Durch dieses unreflektierte Handeln hebelt das höchste Kollegialorgan der Universität sowohl seine üblichen Fristenläufe und Qualitätssicherungsmaßnahmen wie Begutachtungsverfahren und dergleichen aus und zwingt seine Unterkommissionen auch dazu, im Eilverfahren oberflächliche Umstrukturierungen an Curricula vorzunehmen, deren Konsequenzen zum heutigen Zeitpunkt nicht abzuschätzen sind. Außerdem sind die Curriculakommissionen gezwungen, einen Beschluss über die Ausgestaltung der STEOP zu fällen, bevor die tatsächliche Anzahl der Prüfungswiederholungen an der Universität Graz klar ist.
In Anbetracht der geänderten Rahmenbedingungen, etwa hinsichtlich der verringerten Anzahl der Prüfungsantritte in den Lehrveranstaltungen der STEOP, lässt sich nicht prognostizieren, wie sich die nun entwickelte STEOP beispielsweise auf Studierendenzahlen, Drop-Out-Raten und durchschnittliche Studiendauer auswirken wird. Nach Ansicht der Studierenden ist mit einer Studienzeitverlängerung zu rechnen, da umsichtige StudienbeginnerInnen sich im ersten Semester auf die vorgegebenen Lehrveranstaltungen der STEOP konzentrieren werden und nicht die vorgesehenen 30 ECTS absolvieren.
Durch die kurze Umsetzungsphase für die STEOP ist es nahezu unmöglich, eine STEOP zu entwickeln und im Curriculum zu implementieren, die nicht nur die gesetzlichen Anforderungen erfüllt, sondern auch den Bedürfnissen der Lehrenden Rechnung trägt und für künftige Studierende ein inhaltlich sinnvolles und faires didaktisches Konzept bietet, das den Namen „Studieneingangs- und Orientierungsphase“ verdient. Gerade ein Studium wie dem der Umweltsystemwissenschaften, welches viele Überschneidungen mit anderen Curricula im Lehrveranstaltungsangebot aufweist, sieht sich hier eher dem Druck ausgesetzt, die Vorgaben der fachspezifischen Curricula zu übernehmen, um Umgehungsmöglichkeiten zu reduzieren als wirkliche Orientierung im Studium zu bieten.
Der Gesetzgeber hat es ein weiteres Mal verabsäumt langfristige, zukunftsweisende und sinnvolle Gesetze für den österreichischen Hochschulraum zu verabschieden. Die komplexen Probleme, mit denen die Hochschulen konfrontiert sind, können nicht immer nur auf eine Ursache, einem „zuviel“ an Studierenden, reduziert werden. Die STEOP in ihrer jetzigen Ausgestaltung steht für uns vielmehr im Verdacht, keine Probleme zu lösen. Eher wird dadurch der Bildungsstandort Universität durch ein einfaches Rausprüfen von StudienbeginnerInnen entwertet.
Die Kurie der Studierenden in der Curriculakommission Umweltsystemwissenschaften
- Martin Buschmann
- Julian Fink
- Thomas Lanner
- Ersatzmitglieder:
- Gisela Fuchs
- Paul Stangl
- Stefanie Pessenteiner





Umweltsystemwissenschaften
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