Ein Report des Wuppertal Instituts - Wie viel Globalisierung verträgt die Welt? Und wie gerecht ist dieser Prozess?
Drei Jahre lang suchte eine Forschergruppe unter der Leitung von Wolfgang Sachs nach Antworten auf die Frage „Welche Globalisierung ist zukunftsfähig?“. Der Report stellt die Endarbeit eines Dutzend Wissenschaftler des Wuppertaler Instituts für Klima, Umwelt, Energie dar. Eingeteilt in sieben Kapitel spannen die Autoren einen Bogen, der ausgehend vom derzeitigen Zustand der ökonomisierten Welt, über die neue Geopolitik der Supermächte bis hin zum Ausblick auf die globale Rolle des geeinten Europas reicht.
Kapitel eins widmet sich der Fragestellung: „Profitieren die Menschen von einer globalisierten Welt?“. Die Antwort fällt auf ein eindeutiges „Jein“. Je nach Faktenlage und Berechnungsmethode lässt sich herauslesen, dass Ungleichheit zu- oder abgenommen hat. Vor allem das rasante wirtschaftliche Wachstum Chinas und Indiens lässt die Armut in diesen bevölkerungsreichen Ländern zurückgehen, wiewohl in Entwicklungsländern eher der gegenteilige Effekt zu beobachten ist. Das nachfolgende Kapitel versucht dieser Ungleichheit auf den Grund zu gehen. Wieso können Länder des Südens, zweifelsfrei mit rohstoffreichen Ressourcen ausgestattet, nicht zu den Industrieländern aufschließen? Und wieweit trägt ein neuer „Imperialismus“ der Triade Nordamerika, Europa und Japan schuld daran?
Dass Konflikte um Rohstoffe zunehmen, konnte in den letzten Jahren am Beispiel Erdöl beobachtet werden. Obgleich nicht nur Erdöl knapp wird: Die oft unter der medialen Aufmerksamkeitsschwelle ausgetragenen Konflikte um die Ressource Wasser ist bezeichnend für die Knappheit dieses – im wahrsten Sinne des Wortes – Lebensmittel.
Ist gerechter Handel möglich?
Nach dem Analysieren der Probleme werden in der zweiten Hälfte des Buches mögliche Wege aus dem Dilemma aufgezeigt. Umwelt- und Menschenrechte vor Marktzugang ist für die Forschergruppe eine unumstößliche Pflicht, wenn Globalisierung verträglicher gestaltet werden soll. Als Lösungsvorschläge präsentieren die Wuppertaler Wissenschaftler eine Reform der WTO (World Trade Organisation), die nicht mehr als verlängerter Arm der Triade dienen soll. Aber auch Unternehmen und Bürger sollen in ihre Pflicht genommen werden. Als positives Beispiel gilt der sich langsam durchsetzende „Fair-Trade“-Handel. Unter dem Titel „Was taugt Europa?“ beschreiben die Autoren die Weggabelung, vor der die EU nun steht: Mittels „präventiver Kriegsführung“ am globalen Kuchen mitnaschen oder zur Lokomotive einer „Politik der präventiven Gerechtigkeit“ werden.
Fazit
Das Buch zeichnet sich durch eine umfangreiche, fundierte Faktenlage aus, ohne aber den Leser mit Zahlen erschlagen zu wollen. Die Verknüpfung der Daten und der gute Schreibstil machen das Lesen, ob der teilweise tristen Aussichten, zur Kurzweil. Ein großer Verdienst der Autoren ist es, nicht in Schwarz/Weiß-Denken zu verfallen, sondern differenziert zu argumentieren: Es gibt ihn nicht, „den Bösen“, der für die Ungerechtigkeit und Ausbeutung zu verurteilen währe. Für die derzeitige Klimadebatte stellt das Buch einen wichtigen Beitrag dar, indem es schlicht die Realität beschreibt: Was hilft alles Wassersparen, wenn der durchschnittliche US-Amerikaner alleine 2000 Liter Wasser täglich durch den Verzehr von Rindfleischprodukten verbraucht? Gerechtigkeit im Handel ist für die Forscher untrennbar mit ökologischer Gerechtigkeit verbunden.
Fair Future
Begrenzte Ressourcen und globale Gerechtigkeit
Ein Report des Wuppertal Instituts
3. Auflage 2005, 278 Seiten, C. H. Beck Verlag
ISBN 10: 3406527884
ISBN 13: 978-3406527883
