(Freithofer Verena)
Soziologische Systemtheorie ist eine auf systemtheoretischen Diskursen und Begriffen basierende Theorie. Sie ist Teil der allgemeinen Soziologie. Wichtigste Vertreter sind Talcott Parsons (handlungstheoretische Systemtheorie) und Niklas Luhmann (kommunikationstheoretische Systemtheorie). Diese Theorie umfasst auch sich selbst als Gegenstand ihrer Theorie (WIKIPEDIA, 2007).
Der soziologische Systembegriff geht auf Talcott Parsons zurück. Parsons sieht Handlungen als konstitutive Elemente sozialer Systeme an. Er prägte den Begriff der strukturell-funktionalen Systemtheorie. Diejenigen Systemelemente, die von kurzfristigen Schwankungen im System-Umwelt-Verhältnis unabhängig sind, bilden die Struktur. Die sozialen Prozesse, die die Stabilität der Systemstrukturen in einer sich ändernden Umwelt gewährleisten sollen, werden hingegen als Funktion bezeichnet und stellen den dynamischen Aspekt dar. Der Rahmen, der Handlungsprozesse steuert wird also als strukturell-funktionale Theorie bezeichnet. Handlungen werden also im Kontext der strukturellen und funktionalen Aspekte des jeweiligen Sozialsystems und nicht isoliert betrachtet Strukturfunktionalismus (WIKIPEDIA, 2007).
AGIL-Schema: L(ATENT PATTERN MAINTANCE)
Zur strukturellen und funktionalen Analyse sozialer Systeme entwickelte Parsons das AGIL- Schema. Dieses kulturelle System beinhaltet vier latente Handlungspositionen:
• Adaptation (bezeichnet eine zweifache Anpassung der Persönlichkeit an die Natur und der Natur an die Persönlichkeit)
• Goal Attainment (Zielerreichung)
• Integration (Integration)
• Latency (Strukturerhaltung)
Bei diesem Schema übernimmt Parsons von PARETO die Gleichgewichtsvorstellung. Einzelne Handlungen werden also nicht isoliert, sondern im Rahmen eines strukturellen und funktionalen Systemzusammenhanges gesehen. Handlungen sind dabei Ergebnisse des Systemzusammenhanges. Parsons beschreibt den Zusammenhang zwischen System und Systemelementen also als rekursiv. Er berücksichtigt damit wechselseitige Ermöglichungs-, Verstärkungs- und Rückkopplungsbedingungen (ACHAM, 2004, S.28ff)
Erweiterung und Neuformulierung durch Luhmann:
Niklas Luhmann radikalisierte den Funktionalismus von Parsons. Er geht nicht mehr wie Parsons von bestehenden Systemstrukturen, die unter allen Umständen erhalten werden müssen, aus und demnach ist sein Konzept auch nicht auf Werte und Normen angewiesen. Luhmann übernimmt die Ideen zu der Abgrenzung von Systemen zu ihrer Umwelt aus der Biologie und deshalb muss Systemtheorie immer System-Umwelt-Theorie sein. Ausgehend von rechtssoziologischen Untersuchungen sagt er, dass Systeme entstehen, wenn Operationen aneinander anschließen. Die Operation, in der soziale Systeme entstehen, ist Kommunikation. Ein sich selbst beobachtendes soziales System entsteht, wenn eine Kommunikation an eine Kommunikation anschließt. Diese muss sich jedoch auf diese zurück beziehen und weiter führen. Kommunikation wird durch Sprache und durch Kommunikationsmedien, wie Geld, Wahrheit, Macht, Liebe wahrscheinlich gemacht Strukturfunktionalismus (ACHAM, 2004, S.30ff).
Die Besonderheit in der Sichtweise Luhmanns besteht darin, dass Kommunikation nicht als Handeln gesehen wird, das durch einzelne Menschen vollzogen wird. Bei Kommunikation entstehen laut Luhmann soziale Systeme. Die Operationen verlaufen simultan und parallel zu den Operationen anderer Systeme. Auch Personen bestehen sind keine Handelnden, sondern von der Kommunikation konstruierte Einheiten Strukturfunktionalismus (WIKIPEDIA, 2007).
Wichtige Werke im Zusammenhang mit Soziologischer Systemtheorie:
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Baeker, Dirk: Schlüsselwerke der Systemtheorie, Wiesbaden, 2005
Der Band versammelt Beiträge über die wichtigsten Grundlagenwerke der Systemtheorie. Autoren der Beiträge in diesem Buch sind z.B. Rudolf Stichweh, Helmut Willke, Norbert Bolz, Elena Esposito, Mathias Albert, Alfred Kieser, Giancarlo Corsi und Ranulph Glanville. In diesem Buch wird das Phänomen der Selbstorganisation mit Hilfe der Systemtheorie genauer beschrieben. Ein weiterer wichtiger Schwerpunkt dieses Buches ist die klassische Unterscheidung zwischen Subjekt und Objekt (www.amazon.de, Mai 2008).
Baeker, Dirk: Wozu Systeme, Kadmos, 2002
In diesem Buch wird ein Konzept zweiter Ordnung verwendet, dessen Leistung darin besteht, unser Wissen und unser Fragen anders zu sortieren als bisher. Der Systembegriff beschreibt, was wir beschreiben, und er beschreibt, wie wir etwas beschreiben. Und er führt dazu, dass wir Einblick in unsere bisherige Beschreibungsweise gewinnen und beginnen, mit neuen Beschreibungen zu experimentieren. Dieses Buch ist vor allem für „Theorie-Insider“ interessant zu lesen (www.amazon.de, Mai 2008).
Berghaus, Margot: Luhmann leicht gemacht. Eine Einführung in die Systemtheorie, VS Verlag, 2004
Das Buch ist sehr geeignet für den Einstieg in Luhmanns Theorie. Dank kurzer Thesen und guter Beispiele und Illustrationen schafft es die Autorin, die oft kompliziert erscheinenden Luhmannschen Thesen ganz einfach und anschaulich darzustellen. Das Buch beginnt mit der Beschreibung der Person Luhmanns und seines Lebenswerks. Kapitelweise werden die Grundbegriffe von Luhmanns Theorie behandelt, wie z.B. Soziale Systeme. Weiters wird noch der gesamte Bereich von Kommunikation und Massenmedien ausführlich dargestellt. Es wird immer zunächst einfach und verständlich erklärt, wie Luhmann die Sache sieht und danach folgen längere Originalzitate aus den wichtigsten Werken Luhmanns, welche vorige Interpretation beweisen. Dieses Buch ist besonders jedem an Luhmann interessierten Laien, aber auch Studenten der Sozialwissenschaften sehr zu empfehlen (www.amazon.de, Mai 2008).
Brock, Ditmar u.a: Soziologische Theorien von Auguste Comte bis Talcott Parsons, Oldenbourg, 2007
Komplexe Theorien werden klar und deutlich erklärt. Schlüsselbegriffe verschiedener Theoretiker sind überschaubar und exakt erläutert. Die Theorien von Comte, Durkheim, Marx, Parsons und Weber sind so vorlesungsgetreu erklärt, dass man den Eindruck gewinnt, die Autoren hätten die eigene Vorlesung besucht (www.amazon.de, Mai 2008).
Dieckmann, Johann: Einführung in die Systemtheorie, Utb, 2005
Dieses buch beinhaltet eine umfassende Einführung in die Systemtheorie. Es führt von Verfahren der binären Logik als Mittel zur Konstruktion von Wirklichkeit bis zu den Verzweigungen systemtheoretischen Denkens. Dabei werden auch problematische Argumentationslagen bei den einschlägigen Autoren aufgezeigt. Ein verständliches Lehrbuch, das für Studierende sehr geeignet ist, da es in die verschiedenen Spielarten der Systemtheorie einführt (www.amazon.de, Mai 2008).
Haller, Max: Soziologische Theorie im systematisch-kritischen Vergleich, VS Verlag, 2003
Das Buch bietet eine systematisch-kritische Diskussion der großen theoretischen Paradigmen in der heutigen Soziologie. Max Haller unternimmt den Versuch, anhand wissenschaftstheoretisch Kriterien, die großen zeitgenössischen soziologischen Theorieparadigmen miteinander zu vergleichen. Sie werden im Band auf ihre Stärken und Schwächen hin untersucht. Als Leitideen dienen dabei die Max Weber'sche Bestimmung der Soziologie als Wissenschaft und die Idee Karl Poppers von der Logik der Situationserklärung. Die vergleichende Diskussion wird mit empirischen Beispielen illustriert (www.amazon.de, Mai 2008).
Luhmann, Niklas: Soziologische Aufklärung. Aufsätze zur Theorie sozialer Systeme, VS Verlag, 2005
Dies ist eine Aufsatzsammlung von Niklas Luhmann und ist eine der wichtigsten Ausgangspunkte seiner Theorieentwicklung, in welcher zentrale Arbeiten des Werks vorliegen. Das Buch umfasst Aufsätze zur Theorie sozialer Systeme, u.a. Funktion und Kausalität, Reflexive Mechanismen, Soziologie als Theorie sozialer Systeme, Gesellschaft, Wirtschaft als soziales System, die Praxis der Theorie (www.amazon.de, Mai 2008).
Luhmann, Niklas: Soziale Systeme: Grundriss einer allgemeinen Theorie, Suhrkamp, 2006
Sinn ist überall in der Welt und die Gesellschaft besteht aus Kommunikation. Ziel der Kommunikation ist Fortsetzung der Kommunikation. Niklas Luhmanns Theorie sozialer Systeme ist nicht nur abstrakt, sondern wirkt auf den ersten Blick auch sehr exotisch. „Soziale Systeme“ ist die Grundlage von Luhmanns Systemtheorie beinhaltet hochtheoretischen Texte. Luhmann verwendet alltägliche Begriffe ganz selbstverständlich in neuer Bedeutung. Das Buch ist sprachlich sehr schwierig zu verstehen (www.amazon.de, Mai 2008).
Luhmann, Niklas: Einführung in die Theorie der Gesellschaft, Carl-Auer-Systeme, 2005
In diesem Buch will Luhmann durch Rückblenden auf ältere Gesellschaften zeigen, dass sich die Struktur und Denkweise der modernen Gesellschaft von allen bisherigen unterscheidet. Parallel dazu beschreibt er die heutige Gesellschaft mit Hilfe von Begriffen aus der Systemtheorie, der Biologie, aus der Kybernetik oder aus der Kommunikations- und der Informationstheorie. Luhmann richtet seine Theorie dabei an konkreten empirischen Phänomenen wie z.B. die internationalen Finanzmärkte, Politik, Sprache oder moderne Kommunikationsmedien und macht diese dadurch plausibel. So gelingt es ihm bestehende Erkenntnis- und Denkblockaden aufzulösen und den Blick auf den Charakter und die Form der gegenwärtigen Gesellschaft zu lenken (www.amazon.de, Mai 2008).
Luhmann, Niklas: Die Gesellschaft der Gesellschaft (2 Bde.), Suhrkamp, 1998
Niklas Luhmann analysiert anhand der komplexen strategietheoretischen Entscheidungen und begrifflichen Festlegungen des einleitenden Kapitels etliche Großthemen der Soziologie. Er führt diesen Begriffen eine umfassende Neubeschreibung zu. Luhmann begreift die Gesellschaft als System, welches keine Menschen beinhaltet. Die Menschen gehören zur Umwelt des Systems. Die Terminologie dieses Buches geht von der Autopoiesis, über die struktureller Kopplung, das Re-Entry, die Evolution und symbolisch generierten Kommunikationsmedien. Er schreibt jedoch eher in einer Sprache, welche man eher für Computer und Maschinen verwendet (www.amazon.de, Mai 2008).
Luhmann, Niklas / Baeker, Dirk: Einführung in die Systemtheorie, Carl-Auer-Systeme, 2006
In diesem Buch werden die wichtigsten Grundlagen der allgemeinen und der soziologischen Systemtheorie mithilfe präziser Begriffsvorschläge und einer Menge von Beispielen erklärt. Es beinhaltet einfache Ideen zu schwierigen Fragen und eine Palette von Konzepten und Theoremen, die es erlauben, Wahrnehmung, Beschreibung und Denken zu schulen. Somit ist es sowohl für die Beobachtung von Politik und Wirtschaft, Religion und Wissenschaft, Kunst und Erziehung, Familie und Organisation als auch für die Einschätzung aktueller Fragen der Kognitionsforschung, ökologischer Probleme und sozialer Bewegungen von Bedeutung. Dieses Buch bietet allen Interessierten eine ausgezeichnete Einführung in die Systemtheorie, die zwar Denkarbeit verlangt, aber auch durch Scharfsinn und Humor des Autors besticht (www.amazon.de, Mai 2008).
Parsons, Talcott: Das System moderner Gesellschaften, Juventa, 2003
Im Buch findet man allgemeine Begriffe zur Analyse sozialer Systeme bezogen auf die modernen Gesellschaften. Talcott Parsons versucht mit den Mitteln seiner Systemtheorie die Gesamtheit der modernen Gesellschaften als ein zusammenhängendes System zu beschreiben. Von diesem Ansatz her interpretiert er Konflikt, Wandel und Revolution. Parsons glaubt damit nachweisen zu können, dass der Ursprung dieses Systems im europäischen Christentum und dessen signifikanter Entwicklung bürokratischer Rationalität zu finden ist. Von Parsons kann man lernen, wie Theorie heute aussehen könnte (www.amazon.de, Mai 2008).
Literarturverzeichnis
• ACHAM Karl, 2004, Geschichte der Soziologie II, VU, Graz, 49 Seiten• WIKIPEDIA – freie Enzyklopädie, http://www.wikipedia.org, April 2008
• AMAZON, http://www.amazon.de/, April 2008






Umweltsystemwissenschaften
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