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Das Prinzip Verantwortung

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Foto: gazh (http://flickr.com/photos/gazh/) Creative-Commons-Lizenz BY-NC-SA„Was kann der moderne Mensch überhaupt tun?“ wird zur Frage: „Was darf der moderne Mensch überhaupt tun?“. Diese Frage wird umso komplexer, je weiter wir in die Sphäre der Frage vordringen. Sie steht auch im konkreten Widerspruch zu dem, wie der Mensch jahrtausendelang handelte: Stets war es jede Neuerung, die einem evolutionären Prozess gleich, einfloss in die Weiterentwicklung des Menschen. Die Frage nach dem „dürfen“ wurde rein dadurch beantwortet, dass sie nie gestellt wurde.

Nun gibt es moderne Entwicklungen der Technik, die sich dieser Frage nicht mehr einfach entziehen können, in dem sie unbeantwortet bleibt. Die Frage nach dem „dürfen“ wird umso konkreter, je mehr Bereiche des gesellschaftlichen Lebens berührt werden, die von Glauben und Ethik beeinflusst sind. Ein Beispiel: Es ist seit der Domestizierung von Tieren gang und gäbe, nachfolgende Generation durch gezielte Züchtung zu „verbessern“. Dieses Handeln wurde gutgeheißen und gefordert, schließlich konnte nur der Bauer mit den besten Tieren mehr Gewinn erwirtschaften.

Nun ging die Gesellschaft und Wissenschaft immer Hand in Hand mit dieser Entwicklung. In den vergangenen Jahren zeigte sich jedoch die Entwicklung und Wirtschaftbarmachung der Gentechnik, dass Ethik und Glaube plötzlich mit Forschung kollidieren. Wissenschaftlich möge der Unterschied zwischen Züchtung und Gentechnik nicht zu groß sein, Ethisch trennen ihn Welten.

Die zeitliche Dimension

Wer nur dem heute oder morgen verpflichtet ist, verliert den Blick für die weitere Zukunft. Die sprunghafte wirtschaftliche Prosperierung der  Nachkriegszeit – gleich einem Phoenix der Bombenasche entstiegen – führe zu einem blinden Vertrauen in Innovation, aber auch der Illusion der Unendlichkeit und Unverletzlichkeit der Natur. Einer Utopie gleich sahen sich alle als Gewinner.

Seit den 70er Jahren bekommt das System jedoch seine Kratzer. Damals noch im unsichtbaren Rahmen, ist heute schon sichtbar, was uns die Handlungen kosten: Eine Verletzung der Natur und damit unseres eigenen Lebensraumes. „Keine frühere Ethik hatte die globale Bedingung menschlichen Lebens und die ferne Zukunft, ja Existenz der Gattung zu berücksichtigen“. Hier liegt der Ansatz von Hans Jonas: Er zeigt die Unzulänglichkeiten auf, die bestehende anthropologische Ethik hat: Sie ignoriert die zeitliche Konstante und den Umgang mit der außermenschlichen Welt.

Die Lösung die Jonas wählt, zeigt sich verträglich mit abendländischem Denken. In der Tradition von Kant, der, mit seinem kategorischen Imperativ, die Aufklärung und das europäische Denken geprägt hat, rät uns Jonas zu einem „nachhaltigen Imperativ“: „Handle so, dass die Wirkungen deiner Handlungen verträglich sind mit der Permanenz echten menschlichen Lebens auf Erden“

Nun lässt sich dieser Imperativ leider nicht so einfach anwenden, wie der Kant’sche, schließt dieser doch Zurückhaltung mit ein: „Angesichts des quasi-eschatologischen Potentials unserer technischen Prozesse wird Unwissen über die letzten Folgen selber ein Grund für verantwortliche Zurückhaltung – als das zweitbeste nach dem Besitz von Weisheit“ Dieser Satz drückt das Problemfeld aus: Während Ethik in Gruppen von Menschen leichter durchzusetzen ist, in dem Verstöße direkt geahndet werden können – bis zum Ausschluss der Person aus der Gemeinschaft – leidet unter den Folgen von moderner Technik die gesamte Menschheit.

Der Spieltheorie gleich profitiert der Einzelne durch Verzicht nur wenig, die Entsagung wirkt sich jedoch direkt auf ihm aus. So ist es nur verständlich, wenn heute Schwellenländer ihre Industrialisierung und Verkehrsmittel ausbauen: Zu Unlogisch währe für sie eine Erklärung, sie sollen, in Rücksicht auf die Weltgemeinschaft, auf „Fortschritt“ verzichten. Auch gerade deshalb, weil moderne Staaten die Früchte der Technik bedenkenlos genießen (konnten). Wenn verantwortliche Zurückhaltung nicht erwartet werden kann fragt sich, ob, und auf welcher Legimitation begründet, eine Durchsetzung erzwungen werden kann. Das eine „Tatsachenwissenschaft der Fernwirkungen technischer Aktionen“, wie Jonas sie fordert, ausreichend sein wird, darf bezweifelt werden.

Autor: Franz Fuchs
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CC-BY-SA  Dieser Artikel ist freigegeben unter den Bedingungen der „Creative Commons Attribution-Share Alike 2.0 Austria

 

Über Hans Jonas

Hans Jonas (1903 - 1993 war ein jüdischer Philosoph deutscher Herkunft. "Das Prinzip Verantwortung" gilt als ethisches Hauptwerk des Philosophen  und erschien im Jahr 1979. Im Prinzip Verantwortung versucht Jonas eine „Ethik für die technologische Zivilisation“ zu entwickeln. Der Titel ist als Reaktion auf das Werk "Das Prinzip Hoffnung" von Ernst Bloch zu verstehen. Quelle: Wikipedia

 

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