Von PlasticPlanet bis "beyond petroleum"
Betrachtet man den Medienspiegel, reibt man sich als UmweltsystemwissenschaftlerIn die Hände: Allerorts wird der Klimawandel zum Problem erhoben, dessen Lösung man sich annehmen muss. Kaum eine Firma, die nun nicht zum Wohle des Guten agiert, kaum eine Zeitschrift, die das Thema Energiewende unpubliziert lässt. Und selbst die vormals "Bösen" streichen sich nun grün an: Wenn sich schon BP nicht mehr "British Petroleum" sondern "beyond petroleum" nennt, neigt man sich zufrieden zurückzulehnen und sich selbst zuzunicken, es eh schon früher gewusst zu haben.
Alles also eitel Wonne?
Schaut man genauer hin, bekommt das vermeidlich grüne Bild schon erste Risse: Wenn Unternehmen sich des Umweltschutzes annehmen, darf man nicht nur hehre Ziele dahinter vermuten. Sicher ist jede/r Firmenchef/in bedacht in Zeiten des "Corporate Social Responsibility" darauf, die Weste weiß zu halten, verteilt sich ein schlechter Stallgeruch doch in Windeseile durch Facebook & Youtube und KonsumentenInnen rümpfen die Nase bei Anblick des (vermeidlich) unredlichen Verhaltens.
Doch steckt dahinter auch ein Gewinnstreben, ja oft nur plumpe Profitmaximierung. Dies soll nicht negativ gesehen werden, ist es doch des Unternehmens Ziel, genau dies zu erreichen. Auch erlauben daraus geschaffene technische Innovationen ungeahnte Möglichkeiten, die Verbesserung von Prozessen und ja, manchmal auch das Einsparen von Arbeitsplätzen. Räumt man aber dieses systemimmanente Streben bei Seite, fegt die Marketingbroschüren durch und hinterfragt die selbsterstellten Leitbilder: Was bleibt dann noch übrig?
Umweltschutz wirkt – bei der Auflage
Nun stehen sicher Medien, schon arg gebeutelt durch selbstgestrickten Internet-Journalismus, ebenso in der Schuld des Schwarze-Zahlen-Schreibens. Verfängt sich nun ein Begriff in der Öffentlichkeit, was Wunder, wenn er auf den Titelseiten der Publikumsmagazine wieder auftaucht? Beliebt sind gerne Dokumentationen, die manchmal ein schlechteres, manchmal ein besseres Bild der Situation zu zeichnen versuchen. Gemein ist ihnen, mit den auflagenstarken Druckwerken, die Unterhaltung: Auf wissenschaftliche Genauigkeit wird gerne zugunsten eines populärwissenschaftlichen Showeffekts verzichtet. Suggestivfragen, knapp zitiert, fein geschnitten, gestatten auch ein Bild zu zeichnen, dessen sich der/die ursprüngliche KommentatorIn so gar nicht bewusst war. Andererseits erhebt sich die Frage: Gibt es in einer medienökonomischen Aufmerksamkeitslandschaft überhaupt noch die Möglichkeit, reflektiert und anspruchsvoll – jedoch verständlich – die Allgemeinheit zu erreichen und zu sensibilisieren? Inwieweit dürfen Vereinfachungen geduldet werden, wenn sie zum Zwecke "des Guten" dienen?
Das gute Vorurteil
All dem Genannten ist zu Teil, dass sie ja das persönlich "Gewünschte" nun endlich aussprechen und ein Thema, dem sich sicher global angenommen werden muss, über die nötige Aufmerksamkeitsschwelle hievt. Dennoch, gedankenlos auf der Welle des "Nachhaltigen Populismus" dahin zu surfen, birgt die Gefahr, bei Unwetter gnadenlos zu kentern. Man klatscht Beifall zu Michael Moore und schüttelt den Kopf zu Fox-News: Was gut in die eigene Vorurteilsschublade passt, wird aufgelesen. Und mitsamt dem Rest nicht hinterfragt. Wenngleich dies oft so zur Orientierung in der Welt schlicht nötig ist, öffnet man damit aber auch jenen Tür und Tor, die im selben populistischen Fahrwasser von "Klimahysterie" sprechen, lieber alles beim Alten beließen oder zu einfache Lösungen präsentieren.
Autor: Franz Fuchs
E-Mail: mail[at]fuchsy.com
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Umweltsystemwissenschaften
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