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"Geht’s wos hackln, fauls’ Studentengsindl!"

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StudierendenprotesteDie Protestwelle an Österreichs Universitäten hat zu einer Welle der Solidarisierungen geführt. Parallel dazu stößt das Aufbegehren der Studierenden auch auf Ablehnung. Es bleibt die Frage, ob der Protest gerechtfertigt ist und wenn man diese Frage mit ja beantwortet, in welcher Form protestiert werden darf.

Wer in Österreich studieren möchte begibt sich in einen Dschungel von Paradoxien. Einerseits fühlt man sich beauftragt zu einer Erhöhung der Akademikerquote beizutragen und anderseits schlägt einem die „Studienplatzbewirtschaftung“ - wenn es sein muss mit Notfallparagraphen - entgegen. Bei den Bildungsstätten kann man zwischen autonomen Einrichtungen wählen die aber nach den immer gleichen Standards funktionieren. Hat man sich dann für ein Studium entschieden heißt es, die Qualität müsse gehoben werden und gleichzeitig muss aber alles billiger werden. Die Mobilität soll gefördert werden. In der Wirklichkeit ist diese aber seit Jahren rückläufig weil ein Auslandssemester in die geforderte Mindeststudiendauer kaum mehr zu integrieren ist. Und dann wird man noch mit dem Märchen der berufsqualifizierenden Bachelorstudien traktiert die aber dann doch so viel wissenschaftliches Arbeiten vermitteln sollen, dass man – nach dem überwinden ominöser „qualitativer Zugangsbeschränkungen“ – doch noch einen g’scheiten Master machen kann.

Auch wenn man den Protest der Studierenden in seiner Form ablehnt kann man die eingangs erwähnten Widersprüche nicht leugnen. Schönreden lassen sich die Zustände an den Unis eigentlich nicht mehr. Zumindest nicht bei den Betroffenen. Eine Frechheit ist es aber nun die Verteilung der Studierenden auf die einzelnen Studienrichtungen für die Misere verantwortlich zu machen. Logischerweise sind das die Brennpunkte der Probleme. Doch wenn immer nur auf die ökonomische Verwertbarkeit der Studien verwiesen wird, darf man sich aber nicht wundern wenn Studierende auf bekannte Pferde setzen. Ob das nun ein wirtschaftswissenschaftliches Studium, Medizin, Pharmazie oder Publizistik ist. Wem von populistischen Politikern, einfältigen Eignungstests und kurzsichtigen Ratgebern die Lust an „Orchideenfächern“ wirksam ausgetrieben wurde darf dann niemandem vorhalten, sich mit einem Massenstudium schon wieder falsch entschieden zu haben. Wie man es auch anstellt, es ist ja ohnehin falsch sofern man nicht hackl’n geht. Ob hacknstad oder studieren ist ja dann auch schon wurscht.

Man kann, wenn man will, daraus die Legitimation für die Protestbewegung ableiten. Das beantwortet aber nicht die Frage des „Wie“. Die spontane Protestbewegung, der man mancherorts noch mal etwas nachhelfen musste, ist eine Möglichkeit sich vor allem mit kreativer und akademischer Lust auf Aufmerksamkeit Gehör zu verschaffen. Vielfach stößt es aber sauer auf, wenn damit alle Studierenden automatisch mit gemeint sind. Bewegungen die für sich bewusst auf Strukturen wie eine gesetzlich vorgeschriebene Vertretung verzichten wollen, sich basisdemokratisch organisieren und legitimieren aber dann doch als Vertretung aller Studierenden auftreten begeben sich in eine gefährliche Konstellation. Dieser Widerspruch wurde nun auch medial ausgeschlachtet. Die Frage, wozu die ÖH überhaupt gut ist und ob sie denn noch zu gebrauchen sei wird nun immer öfter gestellt. Dass es diese Protestbewegung ohne die ÖH und vor allem ohne deren engagierten StudierendenvertreterInnen nicht geben würde, oder nur in vernachlässigbarem Ausmaß, darf auch nicht zu laut gesagt werden. Es würde nämlich dem basisdemokratischen, von unten kommenden und intuitiven Anspruch dieses Protests zuwiderlaufen wenn die Rolle der gesetzlichen Studierendenvertretung zu stark betont wird.

Dieses „Chaos“, wie es nun immer öfter bezeichnet wird, bringt aber zumindest den Vorteil mit sich, dass politische Naheverhältnisse diverser Fraktionen keine so große Rolle spielen. Die Forderungen, die manchmal weit über die Grenzen der Universitäten hinausreichen, werden daher von einer Bewegung getragen, die ihre Äußerungen nicht fraktionspolitisch weichspülen muss. Trotzdem lesen sich manche Forderungen wie Denkaufgaben für die Gesellschaft. Und einige schießen so dermaßen über jeden realistischen Rahmen hinaus, dass es sehr leicht fällt die Studierenden als realitätsferne Idioten zu brandmarken.

Ein Blick in die österreichischen Leitmedien des Populismus zeigt aber, dass dies noch harmlos ist. Dort wird alles was nach Protest riecht sofort gleichgesetzt mit faul, unwillig und asozial. Mit gröbstem Unfug wird dabei hausiert und die Studierenden gleich mal abgeurteilt weil sie protestieren. Warum sie das tun spielt keine Rolle. Dieser Unwillen zu verstehen und medial propagierter Kleingeist findet seinen Ursprung in der politischen Kaste unseres Landes. Die „Großparteien“ verfechten seit Jahren einen illiberalen Demokratie-Begriff. Demonstrieren, Protestieren und Aufbegehren sind inakzeptabel. Die Strategie jeden Widerstand gleich mal mit Populismus totzuschlagen und dann den reinen Konformismus und österreichischen Institutionalismus wie eine Monstranz vor sich herzutragen wirkt – leider. Denn man ist ja anständig erzogen worden. Dass uns „Hände falten, Gosch’n halten“ in die aktuelle Situation manövriert hat ist offensichtlich. Um den Karren aus dem Dreck zu ziehen sind neue Mittel und Wege nicht nur angebracht sondern dringend notwendig. Ein paar Runde Tische, Arbeitsgruppen und sozialpartnerschaftliche Phrasendrescherei werden uns hier kaum weiterhelfen.

In einem Land in dem die Umverteilungspolitik sich tendenziell in die Richtung größerer Wählergruppen schiebt, wird es umso wichtiger sein den Stellenwert, den das Bildungswesen, und damit die Zukunft, hat, auch einzufordern und wenn notwendig auf mal auf den Tisch zu hauen. Welcher Mittel und Wege man sich bedient bleibt dabei offen. Der aktuelle Protest ist jedenfalls ein möglicher Weg.

Autor: Andreas Kreuzeder
andreas.kreuzeder[at]gmx.at

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