
Naturschutz zielt nicht nur auf den Erhalt und die Bewahrung eines möglichst ursprünglichen Lebensraumes für Tiere und Pflanzen ab, sondern trägt auch dazu bei, dem Menschen unmittelbaren Nutzen zu bringen. Ökosystemdienste sind ein Versuch, diesen Nutzen erfassbar zu machen.
Der traditionelle Ansatz eines Natur und Artenschutzes richtet sich nach dem Erhalt der Biodiversität. So gelten gefährdete Gebiete mit einer hohen Vielfalt an einheimischen Pflanzen und Tieren als besonders schutzbedürftig. Eine übliche Vorgehensweise ist dabei, Reservate oder Naturschutzgebiete einzurichten und es dem Zugriff des Menschen zu entziehen. Damit einhergehend folgt oft wenig Akzeptanz bei der einheimischen Bevölkerung: Auf Grund von Naturschutz auf den eigenen Lebensraum zu verzichten, erscheint vielen als nicht stichhaltige Argumentation. Landschaftlich triste, jedoch ökologisch interessante Gebiete die über keine hohe Artenvielfalt verfügen, sind mit diesem Konzept ebenso schwierig abbildbar.
Das "Hotspots"-Modell kann auch im mitteleuropäischen Raum, der außer im hochalpinen Gebiet kaum noch größere unberührte Flächen aufweist, schwer zur Anwendung gebracht werden. Zwar können einzelne Gebiete durch besondere Maßnahmen vor Eingriffen geschützt werden, die größten Teile bleiben jedoch als Bestandteil der Kulturlandschaft außen vor und können auch nicht umgewidmet werden.
Ökosystemdienste
In die Kerbe des gemeinsamen Mensch- Natur-Lebensraumes schlägt daher das Konzept der "Ökosystemdienstleistungen". Es definiert den Menschen nicht als "Fremdkörper" oder „Störfaktor“, sondern zielt auf eine Verbesserung, sowohl der Situation des Menschen, als auch der Natur ab. Durch diese "Win-Win-Situation" können längerfristige und auch akzeptiertere Lösungen erreicht werden. Dazu nötigt ist Aufklärungsarbeit, inwiefern Betroffene von den einzelnen Ökosystemen abhängen. Ein Beispiel: An der Küste von Punta Tombo (Argentienen) lebt die Bevölkerung von TouristInnen, die aufgrund der zahlreichen dort beheimateten Pinguine anreisen. Ein Naturschutzgebiet, welches eine Einschränkung oder gar Einstellung des Tourismus nach sich ziehen würde, hätte drastische Auswirkungen auf die Arbeitsplätze und das Einkommen der Region. Definiert man diese Aufgabe mit Hilfe des "Ökosystemdienstkonzepts", lässt sich eine verständliche und akzeptierte Argumentationskette erstellen: Die BewohnerInnen haben ein Interesse daran, die Natur und Pinguinpopulation langfristig zu erhalten, hängt doch der Tourismus und ihre Einkommen davon ab. Die Natur liefert eine "kulturelle Dienstleistung" ab, die der Mensch zu nützen und zu schützen hat.
Vier Dienstleistungsebenen
Die "Kulturelle Dienstleistung" ist nur eine von der Natur angebotene Leistung. Die Vereinten Nationen erfassten in einem großangelegten Projekt ("Millennium Ecosystem Assessment") derer vier:
- Versorgung (Bereitstellung von Nahrungsmitteln und genetischen Ressourcen)
- Regulierende Funktionen (beispielsweise Hochwasserschutz)
- Kulturelles (Erholung, geistiges Wohlbefinden)
- Unterstützende Dienstleistungen (beispielsweise Bodenbildung)
Das Konzept klingt einfach und nachvollziehbar: Auch Menschen, die mit Begriffen wie "Biodiversität" nichts anzufangen wissen, verstehen die Natur als Lieferantin für beispielsweise Nahrung und Erholung.
Quelle und weitere Infos:
Spektrum der Wissenschaft: "Mensch und Natur - keine Gegner" http://www.spektrum.de/artikel/962051
Autor: Franz Fuchs
E-Mail: mail[at]fuchsy.com
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Umweltsystemwissenschaften
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