• Increase font size
  • Default font size
  • Decrease font size
Startseite USW-Magazin USW-Cafe Weniger ist mehr

Weniger ist mehr

E-Mail Drucken PDF
Foto: Wikipedia Commons / Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0

Die schwierige Aufgabe, sowohl die knapper werdenden Ressourcen wirkungsvoll zu nutzen als auch den ökologischen Fußabdruck so gering wie möglich zu halten, scheint mit dem Losungswort der "Energieeffizienz" zu glücken: Effizientere Nutzung ermöglicht uns eine Reduzierung der Emissionen bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung eines komfortablen Lebensstils. Doch ist dies wirklich der Fall? In der Ökonomie wird dies unter dem Schlagwort "Rebound-Effekt" in Frage gestellt: Mehr Effizienz führt letztendlich zu mehr Verbrauch.

Die Paradoxie der Kohle

Untersucht wurde die Fragestellung eines Einsparungspotentials durch Effizienz erstmals durch den Ökonomen William Stanley Jevons im Jahre 1865. Er beobachtete den stark angestiegenen Verbrauch von Kohle nach Erfindung der modernen Dampfmaschine von James Watt. Obgleich die Watt'sche Maschine dreimal so effizient arbeitete als vorherige Varianten und manche Investoren dadurch sogar einen Zusammenbruch des Absatzmarktes für Kohle fürchteten, konnte keine Reduktion des Kohleverbrauchs beobachtet werden - im Gegenteil, es kam zu einer Explosion der Nachfrage nach Kohle.

Die Effizienzsteigerung führte zu einer Verbilligung der Leistung und kurbelte die Nachfrage nach Dampfmaschinen - und damit auch nach Kohle - kräftig an. Frühere Maschinen, durch Pferde, Wasser oder auch Menschen angetrieben, waren nicht mehr konkurrenzfähig und wurden durch Dampfmaschinen ersetzt. Die Beobachtungen von Jevons fanden unter der Bezeichnung "Jevons’ Paradoxon" Einzug in die Ökonomie.

Energiesparlampen, die keine Energie sparen

Das von der Europäischen Union verordnete schrittweise Verbot von Glühlampen aufgrund des Einsparungspotentials von Energiesparlampen war Gegenstand der Untersuchungen von Forschern in den Sandia National Laboratories, USA. Ihr veröffentlichter Artikel berücksichtigt den Rebound-Effekt und kommt zum Ergebnis, dass durch Energiesparlampen kein einziges Kraftwerk eingespart werden kann.

Als Grundlage für ihre Berechnungen verwendeten sie historische Daten über den Trend der elektrischen Beleuchtung in England. Die Forscher kamen auch hier zum Schluss, dass jede Innovation in der Technik zu ihrem vermehrten Einsatz führe. Waren es im Jahre 1700 noch 580 Lumenstunden pro Jahr und Person, so liegt heute der Jahreskonsum von künstlichem Licht bei 46 Millionen Lumenstunden. Dazu trägt nicht nur die "Lichtverschmutzung" bei (eine nicht notwenige Beleuchtung im Außenbereich), sondern auch in Innenräumen sind noch Steigerungsmöglichkeiten gegeben: so entspricht die Helligkeit in künstlich beleuchteten Räumen heute erst einem Zehntel eines bewölkten Tages.

Historisch gesehen war dies schon beim Übergang von Kohlefaser- auf Wolframglühbirnen zu beobachten: Die modernen Glühbirnen verbrauchten nur ein Viertel der Energie ihrer Vorgänger. Beleuchtung wurde so für breite Bevölkerungsschichten erst leistbar, damit einhergehend stieg der Stromverbrauch rapide an.

Laut Forschungsergebnis würde sich eine Einsparung nur dann beobachten lassen, wenn der Strompreis merklich steigen würde - im Berechnungsmodel war dies erst bei einer Verdreifachung des Strompreises messbar.



Literatur:

Tsao; Saunders; Creighton; Coltrin; Simmons: "Solid-state lighting: an energy-economics perspective"; Journal of Physics D: Applied Physics; Volume 43, Number 35; URL: http://iopscience.iop.org/0022-3727/43/35/354001 (Abruf: 27.09.2010)

Polimeni , John M. ; Mayumi, Kozo; Giampietro, Mario; Alcott, Blake: "Jevons' Paradox and the Myth of Resource Efficiency Improvements"; Earthscan Publications Ltd; 2008

Hänggi, Marchel: "Das Problem mit dem Rebound" ; Technologie Review Online; URL: http://heise.de/-275858 (Abruf: 27.09.2010)

Autor: Franz Fuchs
E-Mail: franz.fuchs[at]edu.uni-graz.at

CC-BY-SA Dieser Artikel ist freigegeben unter den Bedingungen der „Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Austria

  Du musst dich anmelden oder registrieren um diesen Artikel zu kommentieren. Kommentiere diesen Artikel! (0 Beiträge bislang)

Anmelden