
Mittelwerte, Binominalverteilung und Korrelationskoeffizienten: Trockene Begriffe, die das Gefühl vermitteln, Statistik bestehe vor allem aus einem: Langweile. Doch wer mit Statistik nur staubtrockene Zahlenreihen verbindet, der irrt. Denn das „Informationsdesign“ – die Visualisierung von Daten – erlebt einen Boom. Frech und Frisch aufbereitet sind sie die Essenz, die Datenmengen begreifbar macht.
Fussballfelder
Immer leistungsfähigere Software macht selbst die Aufbereitung von riesigen Datenmengen möglich. Doch während Computer mit dem technischen Fortschritt wachsen, wirkt der „Faktor Mensch“ begrenzend. Zahlen in Milliardengröße übersteigen das Vorstellungsvermögen, was bleibt, sind oft nur hilflose Relationen. Wer hat nicht schon mal den obligatorischen „Fussballfeldergrößenvergleich“ gelesen?
Informationsvisualisierung
Aber es geht auch anders. Der Schönheit von Statistiken widmen sich die Blogs „Information is Beautiful“ und „FlowingData“, die zahlreiche Beispiele der Möglichkeiten des Informationsdesign präsentiert. Hinzu kommt Online noch die Interaktivität: Daten lassen sich in Echtzeit im Browser aufbereiten. Der amüsanten Präsentation von alltäglichen Situationen mittels Diagrammen hat sich „GraphJam“ verschrieben. Hier wird dem Inhalt von Fernsehsendern, der (gefühlten) Häufigkeit von Tetris-Blöcken und so manchem Internet-Phänomen nachgegangen.
Forscher der Google-Labs haben vor kurzem eine weitere beeindruckende Anwendung vorgestellt. Auf Grundlage des Digitalisierungsprojekt Google Books – Inhalte von 4% aller jemals publizierten Bücher wurden hierzu gescannt – entwickelten sie den „Ngram-Viewer“ mittels dessen sich diese riesige Informationssammlung nach Stichwörtern durchforsten lässt. Der „Ngram-Viewer“ ermöglicht so die Veranschaulichung der Häufigkeit von Begriffen im Laufe der Zeit.

Zusammenhänge erforschen
Eine besondere Beachtung verdient sich auch Hans Rosling, Professor am „Karolinska Institut“ in Stockholm, wo er seit Jahren die Zusammenhänge von wirtschaftlicher Entwicklung, Armut und Gesundheit erforscht. Um diese Zahlen und Fakten nicht in schnöde Tabellen gießen zu müssen, entwickelte er die Software „Gapminder“, die diese Daten anschaulich und interaktiv online präsentiert. Neben TED-Vorträgen ist er auch der Präsentator der BBC-Sendung „The Joy of Stats“, in denen er auf kurzweilige Art die Bedeutung von Statistiken für ein Verständnis von globalen Entwicklungen hervorhebt.
Das Handwerkszeug zum Umgang mit Statistiken bieten allerdings weder buntes Informationsdesign, noch unterhaltsame Youtube-Videos. Um das Erlernen von Mittelwerten, Binominalverteilungen und Korrelationskoeffizienten wird man nicht herumkommen. Allerdings nehmen sie einem das trockene Gefühl aus dem Mund und zeigen die Welt, in der wir leben, in neuen Zusammenhängen. Oder, um es mit Hans Rosling zu sagen: „Statistics is now the sexiest subject around“.
Hyperlinks zum Thema:
- Dokumentation: “The Joy of Stats”: www.gapminder.org/videos/the-joy-of-stats/
- Gapminder: www.gapminder.org/world
- TED-Talks mit Hans Rosling: www.ted.com/speakers/hans_rosling.html
- Google Ngram Viewer: ngrams.googlelabs.com
- Information is Beautiful: www.informationisbeautiful.net
- FlowingData: flowingdata.com
- GraphJam: graphjam.memebase.com
Autor: Franz Fuchs
E-Mail: franz.fuchs[at]edu.uni-graz.at
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