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Zwei Welten

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Foto: Wikipedia Commons / Public DomainZum lesenswerten Artikel von Christian Kozina über eine völlige Energieautarkie aus Erneuerbaren Energien erschienen - fast prophetisch - vor kurzem zwei interessante Studien, die sich über eine technische und politische Machbarkeit befassen. Soviel sei vorweg gesagt: Österreich droht massiv den Anschluss an die Welt der nachhaltigen Energiekonzepte zu verlieren.

Welt: 2030

Eine von Wissenschaftlern der Universitäten Standford und Davis publizierte Studie behauptet kühn, dass 100% des weltweiten Energiebedarfs bereits 2030 aus erneuerbaren Quellen stammen könne. Untermauert wird ihre Aussage durch eine Machbarkeitsanalyse: Technisch, so behaupten sie, stünde bereits alles nötige zur Verfügung, alleine der politische Wille müsse nun eingreifen um dieses ambitionierte Ziel zu erreichen.

Mark Delucchi und Mark Jacobson, so die Namen der Forscher, können für ihre Studie eine detaillierte Auflistung der benötigten Anlagen vorweisen:

  • Vier Millionen Windkraftwerke zu je 5 Megawatt
  • 1,7 Milliarden Kleinphotovoltaikanlagen zu je 3 Kilowatt
  • 90.000 Solarthermie und Photovoltaikanlagen mit 300 Megawatt Leistung
  • Eine "Handvoll" Gezeiten,- Geothermie- und Wellenkraftwerke

Die größte Herausforderung sehen Delucchi und Jacobson beim Netzausbau: Nur durch eine Koppelung der unterschiedlichen Erzeuger würde eine stabile Energieversorgung gewährleistet werden. Auch könne durch eine Knappheit der für die Herstellung der Kraftwerke benötigten Rohstoffe sich der Zeitplan nach hinten verschieben.

Interessant ist auch die Tatsache, dass sie Biomasse aus ihren Berechnungen völlig ausklammern und nicht als Hoffnungsträger sehen - zu groß sind ihnen die Bedenken, dass durch ihren Einsatz die Luftverschmutzung weiter zunähme und ihr Landbedarf die Nahrungsmittelversorgung gefährde.

Österreich: 2050

Österreich geht es da schon ein wenig gemütlicher an. Umweltminister Nikolaus Berlakovich verkündete in seiner Studie hierzulande eine Autarkie mit Erneuerbaren Energien in 2050 anzustreben. Und dass, obwohl die Startbedingungen im Vergleich weltweit mehr als gut sind, werden doch bereits rund 21% des österreichischen Gesamtenergiebedarfs aus Erneuerbaren Energien gedeckt.

Erreichen möchte er dieses Ziel aus verschiedenen Quellen - anders als in der obigen internationalen Studie - setzt er auch auf verstärkten Einsatz von Biomasse. Einen weiteren Schwachpunkt der österreichischen Studie stellt die streng nationale Auslegung dar: So wird der Energiebedarf von importierten Nahrungsmitteln und Gütern nicht berücksichtigt.

Kritik kommt bereits von der IG-Windkraft: Würden endlich die richtigen Rahmenbedingungen gesetzt, könnte Windkaft bereits bis 2020 die dreifache Menge Energie liefern. Alleine, es fehle an Anreizen, wie es sie beispielsweise in Deutschland mit dem Erneuerbaren-Energien-Gesetz (EEG) schon längst gäbe. Ins selbe Horn stößt auch Greenpeace: "Die Einrichtung neuer Arbeitskreise reicht irgendwann nicht mehr, um politische Tatenlosigkeit zu kaschieren".



Autor: Franz Fuchs
E-Mail: franz.fuchs[at]edu.uni-graz.at

CC-BY-SA Dieser Artikel ist freigegeben unter den Bedingungen der „Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Austria

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