
Dass wir Menschen hauptverantwortlich für den derzeitigen Klimawandel sind, steht in der Wissenschaft heute außer Frage. Weit schwieriger ist jedoch zu beantworten, wie wir auf die globale Erwärmung angemessen reagieren sollen.
Die einen sprechen von der „größten Herausforderung des 21. Jahrhunderts“. Die anderen versuchen das Problem zu ignorieren. Doch Entrinnen gibt es ohnehin keines mehr: Kaum eine Woche vergeht, in der Medien nicht neue, erschreckende Meldungen über eine bevorstehende Klimakatastrophe breittreten. Da darf man sich auch nicht wundern, wenn manche Menschen vom Klimawandel nichts mehr hören wollen. In Wirklichkeit ist das Thema aber viel zu wichtig, um ignoriert zu werden. Denn die Gefahr, dass unser Klimasystem außer Kontrolle gerät, lässt sich nicht wegleugnen. Die Grenze dafür liegt etwa zwei Grad über den Temperaturen der vorindustriellen Zeit. Darüber sind irreversible Prozesse zu erwarten, die den Klimawandel weiter verstärken und so Landstriche unbewohnbar machen, in denen heute noch Milliarden Menschen leben. Und derzeit stehen wir bereits bei etwa plus 1,2°C – viel Spielraum bleibt also nicht mehr.
Die entscheidende Frage ist nun: Wie gehen wir damit um? In der Theorie ist die Antwort einfach: Wir müssen alles unternehmen, um eine globale Erwärmung von mehr als zwei Grad zu verhindern. Das ist aber leichter gesagt als getan. Man braucht sich dafür nur die politischen Verantwortlichen ansehen, die seit Jahren um eine Einigung zur Emissions-Reduktion ringen. Nachdem es 2009 bereits so aussah, als wäre der Prozess gescheitert, gibt es nach dem Treffen im Dezember 2010 in Cancun nun wieder so etwas wie einen Hoffnungsschimmer am Horizont – mehr aber auch schon nicht. Aber es steht ohnehin nicht nur die Politik in der Verantwortung. Einige Unternehmen haben das bereits erkannt und bemühen sich, ihre Treibhausgas-Emissionen zu reduzieren. Viele davon meinen es ernst, doch auch hier gibt es einige schwarze Schafe. Stromkonzerne, die Erdgas als „klimafreundliche Übergangslösung“ verkaufen, fallen in diese Kategorie. Aber auch Erdölkonzerne versuchen, ihr schmutziges Kerngeschäft durch soziales Engagement zu kaschieren. Hier ist aber jedeR Einzelne gefordert, zu hinterfragen, ob Unternehmen tatsächlich einen Beitrag zum Klimaschutz leisten oder nur ein paar Alibi-Maßnahmen vorschieben. Daran kann man sich dann mit seinen Konsumentscheidungen orientieren. Überhaupt sitzt man als KonsumentIn an einem Hebel, dessen Länge man nicht unterschätzen sollte: Egal, ob man Lebensmittel, Elektrogeräte oder Bekleidung kauft – ein kritischer Blick auf das Etikett lohnt sich allemal. Wer beim Einkaufen ein bisschen mitdenkt, kann seinen ökologischen Fußabdruck jedenfalls in kurzer Zeit drastisch reduzieren.
Dennoch bleibt die Frage offen, wie viel Rücksicht man bei täglichen Entscheidungen auf den Klimaschutz nehmen kann/soll/muss. In Hysterie zu verfallen und zu versuchen, gar keine Emissionen mehr zu verursachen, wird aber ebenso wenig sinnvoll sein, wie das Problem zu ignorieren. Vielmehr muss jedeR für sich versuchen, den goldenen Mittelweg zu finden. Und wer trotzdem weiterhin sein Schnitzerl essen will, kann sich dafür ja politisch engagieren, d.h. Protestmails schreiben, Petitionen unterstützen, sich NGOs anschlie- ßen oder selbst Initiativen starten. Denn daran mangelt es in Österreich ohnehin.
Autor: Christian Kozina
Sein Blog ist zu finden unter http://klimavision.blogspot.com






Umweltsystemwissenschaften
Umweltsystemwissenschaften

